Overshoot – Erdüberlastungstag 2016

overshoot
Quelle: http://www.inkota.de

Du hast es sicher auch im Radio oder sonstwo gehört:

 

Wir leben seit heute auf Pump.

Du, ich, deine Schwiegermutter – in Deutschland, Grönland, Südafrika, überall und alle halt. Jetzt könnte man argumentieren, dass das heutzutage doch total in ist und kein Grund, über dieses Thema groß zu diskutieren, aber ob`s nicht vielleicht doch was anderes ist, ob ich bei meinem Nachbarn, meinem Ex, der besten Freundin oder meinetwegen auch bei meiner Bank ein paar Schulden mache – oder bei unserem Planeten? 

„Huch – jetzt spinntse endgültig, gebt der Frau doch endlich mal ein saftiges Steak. Englisch!“, magst du jetzt eventuell denken, aber ich fürchte, das würd`s auch nicht besser machen.

Frag Adam Riese
Letzten Endes ist es ganz einfach. Nur bisschen Mathematik.

Wenn ich Summe X pro Monat zur Verfügung habe, muss ich zusehen, dass der Monat nicht länger hält als die Kohle, sonst rutsche ich in die Miesen. Einerseits doof, andererseits … Och, halb so wild, kommt ja wieder neuer Schotter nach und bis dahin reicht der Dispo – was solls.

Mag sein, aber dauert es die ersten paar Monate vielleicht nur ein/zwei Tage, bis ich wieder in den schwarzen Zahlen bin, brauche ich ein halbes Jahr später womöglich schon zehn Tage, keine Ahnung, jedenfalls wirds nicht besser werden, wenn ich an meinem Verhalten nichts ändere und nicht irgendwann endlich doch mal anfange, bisschen vorausschauender zu wirtschaften.

Heute ist der 8. August und rein rechnerisch ist unsere Kohle seit heute alle – blöderweise müssen wir aber nicht nur bis zum Ende des Monats warten, nö, erst am 1. Januar 2017 gibts wieder Bares. Ganz schön lange hin, das könnte happig werden … Aber zum Glück kriegen wir ja nen Kredit und können ihn bequem im nächsten Jahr abzahlen, wenn wir wieder flüssig sind. Alles easy.

Laut WWF haben wir mit dem heutigen Tag im Jahr 2016 bereits exakt so viel Wasser, Energie und Nahrung verbraucht, wie die Erde innerhalb eines Jahres in der Lage ist, zu regenerieren. Folgen also noch vier Monate und gut drei Wochen, in denen wir von den Ressourcen leben werden, die unser blauer Planet für schlechte Zeiten gebunkert hat.

WWF-Vorstand Eberhard Brandes bezeichnet es als die größte Herausforderung unserer Zeit „in den natürlichen Grenzen unseres Planeten zu leben und zu wirtschaften“, aber das scheint eine fast unlösbare Aufgabe zu sein. Ist ja alles noch so weit weg, so unreal – Pole schmelzen nur im Fernsehen und wen interessieren schon die bis zu 58.000 Tierarten, die Jahr für Jahr aussterben? Können ja soooo wichtig nicht gewesen sein, sonst hätte man ihr Verschwinden sicher auch auf dem heimischen Sportplatz bemerkt.

Mathe war zwar nicht mein Lieblingsfach, aber selbst mir leuchtet ein, dass die Erde den Kredit, den wir Jahr für Jahr so gedankenlos in Anspruch nehmen, nicht mehr ewig wird bereitstellen können, irgendwann ist dann eben doch mal endgültig Ebbe auf dem Konto. 2010 lag der Erdüberlastungstag noch im Oktober – vielleicht magst du ja mal eben den Abakus rausholen, ein paar Kügelchen hin- und herschieben und die Zukunft deiner Kinder vorausberechnen. Der 8.8.2016 ist übrigens auch „nur“ der globale Overshoot-Day, Deutschland für sich allein betrachtet hat bereits Ende April sein Öko-Konto für das laufende Jahr überzogen …

Nachhaltigkeit klingt ja wirklich toll. 
Ist aber letzten Endes ähnlich, wie mit dem Ungeheuer von Loch Ness.
Man hat schon mal was davon gehört – Genaueres weiß man aber leider nicht drüber …

Da fährt man hier mal mit dem Rad zur Arbeit, rüstet dort noch schnell die Bäder mit Spülstop-Tasten nach und schon hat man sich sein Feierabend-Bierchen und die Bratwurst vom Grill verdient.
Ich geb` mir ja echt Mühe, das Thema Nutztierhaltung und Fleischkonsum nicht zu sehr in den Vordergrund zu stellen, Fakt ist aber, dass gerade mal 5% der weltweit angebauten Sojabohnen für die Herstellung von Lebensmitteln verwendet werden, die für den Menschen gedacht sind, der überwiegende Rest wird tonnenweise an Tiere verfüttert, die dann am Ende ihres viel zu kurzen Lebens ein paar wenige Kilo Fleisch liefern – da geht`s ja schon los, mit der viel geforderten und einfach nicht vorhandenen Nachhaltigkeit.

Täglich werden ca. 550 Millionen m² Regenwald platt gemacht. Fünfhundertfünfzig Millionen Quadratmeter. TÄGLICH. Diese Größenordnung befindet sich außerhalb meiner Vorstellungskraft, das Verhältnis von „Investition & Ertrag“ hängt hier aber definitiv noch bedeutend schiefer, als der Kristalleuchter auf der Titanic während seiner letzten Reise Richtung Meeresgrund.

Natürlich gibt es zig Möglichkeiten, seinen Alltag ressourcensparender zu gestalten, auf Fleisch zu verzichten ist nur eine davon (wenn auch eine bedeutend große und in Sachen CO2 eine viel bedeutendere, als würde man sämtlichen Verkehr zu Lande, zu Wasser und in der Luft einstellen …).

Hier mal abschließend ein paar Links, vielleicht interessiert dich ja irgendwas davon. Wenn nicht für dich, dann vielleicht für deine Kinder, Enkel – oder wen auch immer.

Nachdenkliche Grüße und bis bald,
Rebecca

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