Warum fleischlos?

Und warum es für mich persönlich eine zusätzliche Hilfe ist, in Sachen Essstörung nicht rückfällig zu werden?


Die endgültige Entscheidung fiel während einer Heilfastenkur.
fleischlosteeBisher hatte ich erst ein einziges Mal gefastet, das muss schon über fünfzehn Jahre her sein und damals hatte ich fünf Tage durchgehalten – mehr waren auch nicht geplant gewesen. Schon bei dieser ersten Fasten-Erfahrung war ich total begeistert, wie zuverlässig mein Körper seinen Dienst tat, während ich weiter meiner Vollzeit-Beschäftigung nachging.

Weder Hunger noch sonstige Beschwerden traten auf, ich stand sogar abends in der Küche und kochte das Abendessen meiner Familie. Machte mir nichts aus. Faszinierend. ;)

In den vergangenen Jahren habe ich mich mich immer wieder mal an diese Erfahrung erinnert und hätte sie gern wiederholt – länger als einen einzigen Tag hielt habe ich aber nie durch. Irgend etwas war anders, ich kann aber nicht genau sagen, was. Vielleicht stand bei meinen gescheiterten Versuchen der Abspeck-Aspekt im Vordergrund und nicht das Fasten an sich.

Diesmal war jedenfalls alles wieder so, wie es sein soll, eigentlich sogar noch besser. :)
Ich hatte mir ganz bewusst keine bestimmte Dauer vorgenommen, sondern ließ meinen Körper jeden Tag aufs Neue entscheiden, ob er noch weitermachen wollte, oder vielleicht besser doch etwas zwischen die Kiemen brauchte.

So kamen insgesamt zehn Fastentage zusammen, die nicht nur auf der Waage ihre Wirkung zeigten (ein Minus von 5,5 kg), sondern auch in meinen Hirnwindungen.

Die Ethik

Schon seit meiner Kindheit hatte ich immer wieder mal den Gedanken, mich vegetarisch ernähren zu wollen, es schien mir schon damals einfach nicht richtig, ein anderes Lebewesen zu essen, das in meinen Augen nicht weniger Recht darauf hat, auf der Welt zu sein, als ich.

Als junge Erwachsene hatte ich dann zwar häufiger vegetarisch gekocht, komplett den „Fleischeslüsten entsagt“ hatte ich aber nicht. Sonderlich viel Fleisch kam zwar nicht auf den Tisch, aber immerhin.

Stand früher einzig und allein der Ungerechtigkeitsgedanke im Vordergrund, haben sich heute eine Ablehnung gegen die Massentierhaltung und die Fleisch-, Ei- und Milchproduktion dazugesellt, außerdem möchte ich möglichst lange gesund bleiben ….
fleischloshenneHühner werden dazu gezwungen, ein Vielfaches an Eiern zu legen, die sie normalerweise legen würden – was ihre Körper schnell auslaugt und ihnen ein recht kurzes und wenig schönes Leben beschert. Männliche Küken sind Ausschussware und erleben für gewöhnlich den Tag nach ihrer Geburt nicht.

► Das kurze Leben der Legehenne
► PeTA: 50 Millionen Eintagsküken landen jährlich auf dem Müll

Und die Milch? Dafür muss doch keine Kuh sterben, also kann man sie doch bedenkenlos trinken, oder?

fleischlosküheTja … damit die Kuh überhaupt Milch gibt, muss sie erst mal schwanger gewesen sein und ein Kälbchen zur Welt gebracht haben.

Sicher, es gibt sie ganz bestimmt, die glückliche Kuh auf dem familiären Bauernhof – deren Milch werden wir aber vermutlich nicht in irgendeinem Supermarktregal finden, sondern wir müssen sie uns höchstpersönlich bei ihr zuhause anholen.

Die Durchschnitts-Kuh, die für die Milchproduktion im großen Stil eingesetzt wird, führt ein etwas anderes Leben, hierzu mal ein paar Links (und ich nehme ganz bewusst nicht nur den von PeTA …).

► Tagesspiegel: Warum gibt die Kuh ständig Milch?
► VEBU (Vegetarierbund): Kuhhaltung in der Milchproduktion
► ARIWA (Animal Rights Watch): Die Milch
► PeTA: Das steckt hinter der Produktion von Milch
► Video, Planet Wissen: Ein Leben für die Milch

Aus diesem Grund ist mein angestrebtes Ziel, mich vegan zu ernähren. Aktuell verzichte ich auf Fleisch & Eier komplett, auf Milchprodukte so gut es geht. War schon immer eher die „Käsetante“, das Ersetzen fällt mir hier noch etwas schwer. Milch und Joghurt dagegen kann ich problemlos aus pflanzlichen Quellen zu mir nehmen.

Damit wären wir nun also bei der Ernährungsform, die ich aktuell für mich gewählt habe, der lacto-vegetarischen ErnährungWobei ich mich mittlerweile grob geschätzt zu 90% vegan ernähre und die restlichen 10% bekomme ich auch noch hin.

Lacto (von lat. lactare) steht für die Milchprodukte, vegetarisch (vegetabil) steht für pflanzliche Kost und alles Lebendige, bzw. Produkte von lebendigen Tieren – wie z. B. Honig (prima zu ersetzen durch Agavendicksaft).

Wer zusätzlich Eier isst, ernährt sich ovo-lacto-vegetarisch. (Ovum = das Ei).

Keine Milch, aber Eier auf dem Esstisch? Willkommen bei den Ovo-Vegetarieren.

Veganer essen weder Fisch, Fleisch, Honig, Eier noch Milchprodukte und achten auch außerhalb des Suppentopfs darauf, nichts zu verwenden, wofür ein Tier in irgendeiner Art und Weise be-, bzw. ausgenutzt wurde (Kleidung, Schminke, etc.).

Es gibt immer wieder Vegetarier, welche die Meinung vertreten, es sei in Ordnung, Fisch zu essen. Fische seien Kaltblüter und würden keinen Schmerz empfinden – in meinen Augen Blödsinn und der Schmerzaspekt ist es ja auch nicht allein. Es ist ein Tier, das sterben muss, damit ich es essen kann. Sehe da keinen Unterschied zu irgendeinem anderen Lebewesen.

Aber auch hierfür hat sich jemand ein schickes Wort einfallen lassen. Menschen, die also kein Fleisch, aber Fisch, Eier, Milch, Honig und pflanzliche Nahrung zu sich nehmen, bezeichnet man als Pescetarier. Soll sehr gesund sein – aber Tier ist Tier, von daher nix für mich  und spätestens bei Hund, Katze, Graupapagei sitzen Fleischfresser und Veganer dann ja doch wieder in einem Boot …



Weiterer Nutzen

Neben der Tatsache, dass kein Tier mehr für meine Ernährung sein Leben lassen muss, gibt es gerade für mich, als ehemals Essgestörte, einen weiteren, äußert positiven Aspekt dieser Ernährungsform.

In Fachkreisen heißt es immer, essgestörte Menschen hätten ein Kontrollproblem. Sie müssten lernen, die Kontrolle auch mal abzugeben und „auf ihre innere Stimme, ihr Bauchgefühl“ zu hören. Sicher, wäre schon klasse, wenn das so einfach ginge – für viele Betroffene aber nur schwer machbar.

Die vegetarische Ernährung (die vegane erst recht) gibt diesem Kontrollbedürfnis seinen geforderten Raum, es darf einfach sein und erfüllt plötzlich sogar einen richtig großen Nutzen.
Auf Fleisch verzichten, das ist das Eine. Dafür Sorge tragen, dass es meinem Körper an nichts mangelt und ich alle nötigen Nährstoffe zu mir nehme, das Andere.
Plötzlich darf sogar sehr gern kontrolliert und abgecheckt werden – und eine ehemals unerwünschte Eigenschaft wird als guter Freund ins Leben integriert.

Für mich einer der wichtigsten Punkte auf dem Weg zu dauerhafter Heilung.

Aufhören, persönliche Eigenarten als etwas Schlechtes zu verteufeln, sondern annehmen, was ist und etwas finden, wo wir unser Interesse sinnvoll ausleben können.

JA sagen können, zu dir und deinen „special effects“. ;)

Welche besonderen Interessen hast du
und wo kannst du sie nutzbringend einsetzen?

Lieben Gruß,
Rebecca

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2 Kommentare zu „Warum fleischlos?

  1. Hi Rebecca,

    ich kann das was du schreibst sehr gut nachvollziehen. Ich muss nämlich auch ehrlich sagen, dass mir die vegane Ernährung in Bezug auf meine frühere Essstörung sehr hilft. Denn die Gedanken sowie ehemaligen Verhaltensmuster sind, zumindest wenn ich von mir persönlich spreche, auch nach Jahren, in denen man vielleicht wieder ein normales Körpergewicht hat, noch da. Und gerade das Bewusstsein, dass ich meinem Körper mit Obst und Gemüse eigentlich etwas Gutes tue und nach Lust und laune essen kann ohne unmittelbar ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, tut mir da sehr gut ;).

    Ansonsten sehe ich das in Bezug auf den ehtischen Aspekt genauso wie du. Und wünsche dir in deinen angestrebten Zielen weiterhin viel Erfolg :).

    Lg Cordula

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    1. Liebe Cordula,

      wie schön, freue mich grade total, man liest ja immer wieder mal, dass vegetarische oder vegane Ernährung überhaupt erst in eine Essstörung führen würden, dass eine böse Orthorexie entstünde und das ganze gesunde Zeug einen letzten Endes kränker mache, als man es je war.

      Habe immer bisschen den Verdacht, dass die Fleisch- oder Milchindustrie hinter solchen Äußerungen steckt und finde es wirklich ein trauriges Zeichen, dass es oftmals der „Pflanzenfresser“ ist, dem man unnatürliches Verhalten attestiert.

      Habe mich über meine Theorie in Sachen Essstörung und den positiven Einfluss veganer Ernährung bisher noch mit niemandem ausgetauscht und dass als erste Reaktion jetzt direkt Zustimmung kommt, das ist wirklich toll – ich danke dir und wünsche dir für deinen weiteren Weg alles, alles Gute! :)

      Ganz lieben Gruß zurück,
      Rebecca

      Gefällt 1 Person

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